Aspekte

Bergbau mit Pflanzen

Österreichische Wissenschaftlerin forscht in Malaysien auf dem Gebiet des „Phytomining“: Blüten und Blätter als Lagerstätten von Metall.

von: Leo Lukschanderl

Natürlich wäre das ein Nischenbergbau, aber es klingt interessant: Verschiedene Pflanzen reichern – zum Teil in großen Mengen – Metalle wie Cadmium, Kobalt, Blei, Silber, Kupfer etc. an Die meisten von ihnen Nickel. Manche Pflanzen enthalten bis zu zehn Prozent ihrer Trockengewichts in Nickel. Wenn man also 100 Kilo getrocknetes Pflanzenmaterial verbrennt, gewinnt man sowohl thermische Energie als auch zehn Kilo Nickel.

Mit dieser völlig neuen „Bergbaumethode“ beschäftigt sich di österreichische Bionikerin und Nanophysikerin Ille Gebeshuber von der TU-Wien derzeit an der Universiti Kebangsaan Malaysia. Gebeshuber: „Die Sache ist auch insoferne interessant, weil die Pflanzen die Metalle aus dem Boden herausholen, ohne Schäden anzurichten. Sie reinigen den Boden, reichern die Metalle an und bereiten den Boden für eine nachfolgende Nutzung vor, etwa durch ganz gewöhnliche Ackerpflanzen“. „Phytomining“ könnte man zur Behandlung von Abraumhalden von konventionellen Bergbaugebieten einsetzen oder zur Sanierung von mit Schwermetallen verseuchten Böden und Abwässern. Oder in Nischen, wo ein konventioneller Bergbau nicht mehr rentabel ist.

Es gibt tatsächlich Pflanzen, die derart „eifrig“ Metalle speichern, dass sie am Ende ihre Lebenszyklus so viel Metall enthalten, dass es sich lohnt, sie zu verbrennen, um aus dem sogenannten „Bioerz“ dann das Metall zu gewinnen. „Für mich ist es hochinteressant, dass Pflanzen eine sehr umweltfreundliche und nachhaltige Methode entwickelt haben,  Metalle aus dem Boden herauszuholen“, so die Wissenschaftlerin. „Man könnte durch die Erforschung der Art und Weise, wie Pflanzen das machen, eine völlig neue Art der Metallgewinnung entwickeln“.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit wären übrigens Nanopartikel, die Pflanzen mit absolut geordneter Größe und Struktur erzeugen können, so wie man sie für Mikro-Computerspeicher benötigt. Daran wird derzeit aber, u.a. an der Yale University, geforscht.


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