Im Focus Themen Innovationen

Der Weg ist das Ziel

Die Digitalisierung verändert das Leben in jeder Branche grundlegend. Die Zeiten von Telefon und Fax sind fast vorüber, das Internet ist nun auch für die Bestellung von Stahl, Aluminium und Blech das Instrument der Stunde.

von: Ursula Wastl, Gerd Krause

„Umfassende Digitalisierung ist eine zentrale Voraussetzung, um unsere Technologieführerschaft in globalen Zukunftsmärkten weiter voranzutreiben. Auch in puncto Arbeitssicherheit ergeben sich durch den Einsatz von smarten Industrie-4.0-Lösungen erhebliche Optimierungsmöglichkeiten, z. B. wird körperliche Schwerarbeit zunehmend von Maschinen erledigt. Die Mitarbeiter werden damit keinesfalls obsolet. Sie bedienen allerdings immer weniger einzelne Maschinen, sondern steuern immer komplexere Prozesse und analysieren digital erfasste Produktionsdaten. Entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen werden damit immer wichtiger“, ist Dr. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, überzeugt.

Auch Harald Greger vom AFI sieht die Digitalisierung der Metallbranche als unaufhaltbar, jedoch besteht auch großes Aufholpotenzial in diesem Bereich: „Mit der verstärkten Verwendung von BIM – Building Information Modeling steht der Bausektor vor einem Paradigmenwechsel. Für den Metallbau gilt es nun, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, an dem die ersten digitalen Irrläufe im Baubereich abgeschlossen sind. Dann allerdings heißt es rasch aufspringen, denn der digitale Zug wird nicht lange warten. Neben ständigem Beobachten der Entwicklung ist also Feingefühl angesagt, um die richtige und unternehmensabhängig stimmige Entscheidung zum Einstieg zu treffen.“

Kunden treiben Digitalisierung voran
Die Digitalisierung des Stahlhandels steht erst am Beginn einer dynamischen Entwicklung“, sagt auch Dr. Heinz-Jürgen Büchner. Die treibende Kraft sieht der Managing Director der IKB (Deutsche Industriebank) in Frankfurt im Kunden. „Genauso wie in anderen Handelssegmenten dürften auch hier letztendlich die Kunden diejenigen sein, die den Trend zur Digitalisierung vorantreiben.“ Europaweit erfolgt mehr als ein Drittel des Stahlabsatzes über den Direktvertrieb vom Stahlwerk zum Kunden. Vor allem Großabnehmer der Autoindustrie beziehen Stahl über länger laufende Kontrakte direkt ab Werk. Weitere 37 % werden über Stahl-Service-Center vertrieben. Diese auf Dienstleistungen und Anarbeitung spezialisierten Betriebe stehen zwischen dem klassischen Werkstoffhandel und dem produzierenden Gewerbe – häufig als Dienstleistungssparte von Stahlhändlern, die durch Anarbeitung, also mit Walzen, Sägen, Bohren, Schweißen, Gewindeschneiden, Biegen oder Veredeln von Stahl und Aluminium ihre Wertschöpfungskette verlängern. Was bescheiden „Anarbeiten“ genannt wird, reicht bis hin zur Fertigung komplexer Bauteile für Autoindustrie, Bau und Maschinenbau.

Klöckner auf Visionssuche
Gisbert Rühl, der CEO des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co, war einer der Ersten, der sich dieser Herausforderung stellen wollte. Er hat seine Vision von  der Digitalisierung der Metall- und Stahlbranche zuerst nach Silicon Valley getragen, sie dort vom großen Erfahrungsschatz der Hightechszene anreichern lassen und ist damit zurück nach Berlin, um dort 2014 einen eigenen Geschäftsbereich, das Kreativlabor kloeckner.i. zu gründen. Für die Mitarbeiter des Start-ups, die aus vielen verschiedenen Branchen kamen, gab es zwei Aufgabenstellungen, einerseits disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln und andererseits digitale Tools für die eigenen Kunden, um sich vom Mitbewerb abzuheben. Im Klöckner Onlineshop findet sich schon heute ein umfassendes Sortiment, mit einem Klick wird die Bestellung übermittelt und der Kunde sieht sofort Preis und Lieferzeit. Die zwei anderen wichtigen Säulen des Onlineauftritts des Unternehmens sind die „Kontraktplattform“ und die „Bestellübersicht“. Unter dem Titel Bestellübersicht bekommt der Kunde einen Überblick über alle abgeschlossenen und offenen Bestellungen. Hier können auch alle Auftragsunterlagen und bestellten Werkszeugnisse heruntergeladen werden. Die Kontraktplattform ermöglicht wiederum eine einfache Verwaltung von Kontrakten. Von der Abfrage offener Restmengen bis zur Anfrage von Folgekontrakten lassen sich hier alle Daten und Vorgänge unkompliziert managen. Für Marcus Oberhofer, Geschäftsführer der Kloeckner Metals Austria, hat die einfache Bedienbarkeit des Onlineauftritts oberste Priorität: „Unser Onlineshop ist sehr benutzerfreundlich, ,look und feelʻ ist uns wichtig, wir entwickeln den Onlineshop auch ständig weiter, dazu machen wir auch regelmäßige Kundenzufriedenheitsanalysen.“ Die Berührungsängste sind zwar immer noch vorhanden, aber durch entsprechende Kundenschulungen konnten diese vermindert werden – „und inzwischen macht es vielen Kunden sogar Spaß, über den Onlineshop zu bestellen“, erzählt Marcus Oberhofer.

Die Maschine bestellt Stahl
Wie sieht die Zukunft des Stahl- und Metallhandel aus? „Die Zukunft des Stahlhandels ist digital“, darin sind sich alle einig. Gewinnen werden diejenigen Händler, die ihre Prozesse frühzeitig und entschlossen digitalisiert haben – auch darin besteht Einigkeit. Im Zeichen von Industrie 4.0 steht am Ende der Entwicklung die Digitalisierung der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette. In der intelligenten Fabrik sind Lagerbestände und Maschinen über das Internet der Dinge (Internet-of-Things, IoT) direkt miteinander verbunden. Erkennt das System, dass an der produzierenden Maschine der Stahlvorrat zu Ende geht, wird eine Nachbestellung ausgelöst – beim Stahlhändler oder gleich im Stahlwerk. Was futuristisch klingt, könnte bald Wirklichkeit werden. So sieht es jedenfalls das Start-up Axoom, das ein komplexes Industrie-4.0-Ökosystem geschaffen hat. Das Karlsruher Unternehmen ist eine Gründung des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf. Als Partner mit an Bord: der Stahlhändler Klöckner.  


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