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Matthias Fend
Die mit ABB-Motoren betriebene Seilbahn stellt drei Weltrekorde auf: Sie hat die mit 127 Metern höchste Stahlstütze, den mit 1950 Metern größten Höhenunterschied und die größte Spannweite von 3213 Metern von der Talstation bis zum Gipfel.
Matthias Fend

Die Rekordseilbahn

Trotz der Erfahrung von bald 15.000 weltweit gebauten Seilbahnsystemen war der Neubau der neuen Seilbahn Zugspitze für die Doppelmayr/Garaventa Gruppe etwas ganz Besonderes. Die hohe Verfügbarkeit der neuen Pendelbahn war neben der ganzen Logistik eine der ­großen Herausforderungen für die Seilbahnbauer.

von: Redaktion

Die Besucherinnen und Besucher von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen, hatten in den vergangenen zwei Jahren nebst einer atemberaubenden Aussicht mit dem Bau der Bergstation der neuen Seilbahn Zugspitze eine zusätzliche Attraktion. Unmittelbar neben der – teilweise als Umschlagplatz mitbenutzten – Aussichtsplattform erfolgten unter permanenter Beobachtung der Besucher die ausgesetzten Montagearbeiten an der neuen Bergstation. Wie sich die Monteure an Seilen gesichert über dem rund 1000 Meter hohen Abgrund Gämsen gleich bewegten und ihre Arbeit erledigten, sorgte schon mal für einen spontanen Applaus der Besucher. Weil die Platzverhältnisse bei der Bergstation knapp waren und die eigens gebaute Materialseilbahn ein Gewichtslimit von sechs Tonnen aufwies, erfolgte der Zusammenbau der mechanischen Teile gemäß der vorgegebenen Gewichtsbegrenzung bereits im Werk. Anschließend wurden die Komponenten terminlich abgestimmt just in time zur Bergstation angeliefert und dort verbaut.

Rekorde als Knacknüsse 

Mit Blick auf die Seilbahntechnik war die Meisterung von gleich drei Weltrekorden eine besondere Herausforderung. Da wäre zum einen der gesamte Höhenunterschied in einer Sektion zwischen der Tal- und Bergstation von knapp 2000 Metern. Zum anderen weist die neue Seilbahn Zugspitze mit über 3200 Metern das längste freie Seilfeld zwischen der einzigen Stütze und der Bergstation auf. Und zu guter Letzt ist da noch die mit 127 Metern höchste Stahlbaustütze der Welt für Pendelbahnen. Auch terminlich und logistisch waren einige Hürden zu meistern. Zu den größten Herausforderungen zählten neben der Höhenlage die Wetterbedingungen. Sie hielten während der Bauphase alles (Un)Mögliche von Schnee und Eis im Hochsommer über Nebel und Dauerregen bereit. So mancher Schönwettertag entschädigte die Bauarbeiter dafür mit dem höchsten und aussichtsreichsten Arbeitsplatz des Landes. Auch das Thema Logistik gestaltete sich spannend, musste doch wegen der begrenzten Lagerflächen am Gipfel vom Beton bis zum Stahlträger alles just in time angeliefert werden.

Schwertransporte mit Vorgaben 

Eine Meisterleistung in Sachen Planung und Ausführung waren der Transport und die Seilzüge der vier je 150 Tonnen schweren Tragseile. Nicht nur die Route vom Werk in Romanshorn bis zur Talstation beim Eibsee, neun Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt, musste genau geplant werden. Auch die Durchfahrtszeiten des auf zwei zusammengekoppelten Lastenzügen verteilten Schwertransports waren genau vorgegeben. Einmal vor Ort, wurden die neuen Tragseile mithilfe der alten Tragseile  der ausgedienten Pendelbahn und unter Einsatz einer speziellen Seilzugmaschine den Berg hochgezogen. Die Zugkraft betrug dabei rund 60 Tonnen. Auf die Umlenkung bei der Bergstation wirkten Kräfte von über 100 Tonnen. Die Tragseile und das Zugseil werden über die zwischen den beiden alten Stützen realisierte neue Stütze mit einer Höhe von 127 Metern geführt.

Hohe Verfügbarkeit 

War schon die alte Eibsee-Bahn seilbahntechnisch eine Meisterleistung, setzt die neue Anlage zusätzlich neue Maßstäbe: Dazu gehören zum Beispiel die bei CWA Constructions SA in Olten gebauten Kabinen. Dank der einem Parallelogramm nachempfundenen Form und den bodentief verglasten Seilbahnkabinen haben die Besucher der Zugspitze selbst bei schlechtem Wetter mit der eingebauten Scheibenheizung eine uneingeschränkte Sicht auf die Umgebung. Die Neigung der berg- und talseitigen Frontscheiben und die in die Dachfläche hineingezogenen Panoramafenster garantieren den Fahrgästen einen perfekten Berg-, Tal- und Weitblick. Die weltweit einzigartige Kabinenform und das edle, zurückhaltende Design harmonieren dabei perfekt. Dank der Kapazitätserweiterung auf 120 Personen pro Kabine gehören die langen Wartezeiten zum Gipfel mit der Eröffnung der neuen Anlage der Vergangenheit an. Zudem verfügt die neue Seilbahn Zugspitze als erste Seilbahn überhaupt über drei Laufwerke. Jedes dieser Laufwerke kann sowohl auf der linken wie auch auf der rechten Spur eingesetzt werden. Dadurch reduzieren sich bei der Revision eines der im Einsatz stehenden Laufwerke die Servicezeiten, was  die von der Bahnbetreiberin gewünschte hohe Verfügbarkeit der Anlage garantiert.  Für die Rekordseilbahn setzt die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG auf Technik von ABB und ihre mehr als 100-jährige Erfahrung mit alpinen Transportlösungen.  „In der Schweiz fahren die meisten Seilbahnen und Sessellifte mit ABB-Motoren und -Antrieben“, sagt Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender der ABB AG, Deutschland. „Wir freuen uns, dass wir jetzt auch in Deutschland an einem Projekt der Sonderklasse mitwirken konnten.“

Starkes Zweimotorenkonzept 

Die von der Bayerischen Zugspitzbahn definierten Vorgaben stellen höchste Herausforderungen dar: Die neue Bahn muss an 365 Tagen im Jahr bei Wind und Wetter reibungslos funktionieren. Um einen sicheren und komfortablen Transport zu gewährleisten, ist jederzeit ein perfektes Zusammenspiel von Motoren, Frequenzumrichtern und Mechanik unerlässlich.  Um die Gondeln mit einer Geschwindigkeit von 10,6 Metern pro Sekunde über die lange, teilweise bis zu 104 Prozent (> 46°) steile Strecke zu ziehen, ist ein starker Antrieb nötig. Der kommt von zwei in der Talstation untergebrachten 800-Kilowatt-Drehstrommotoren von ABB.  „Selbst gestandene Ingenieure hat die Seilbahn zur Zugspitze zu Höchstleistungen getrieben“, sagt Ueli Spinner, Leiter Verkauf Großkunden und Service bei ABB AG, Schweiz. „Heute geht es bei Bergbahnen vor allem darum, die Technik in Sachen Energieeffizienz weiterzuentwickeln.“


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