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Brandschutz richtig managen

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Um den komplexen Brandschutzanforderungen bei Bauprojekten gerecht werden zu können, bedarf es eines durchdachten, systematischen Managementsystems, meint die Brandschutzspezialistin Thurid Aigner.

Die Erfahrung zeigt, dass während der Ausführungsphase von Projekten ein hoher Bedarf an Baubegleitung hinsichtlich der Umsetzung von brandschutztechnischen Maßnahmen gegeben ist. Der Bauherr verfolgt mit der Beauftragung einer solchen brandschutztechnischen Baubegleitung das Ziel, Rechtssicherheit in Bezug auf die Ausführung zu erlangen und einen Brandschaden in weiterer Folge möglichst zu vermeiden. Baustellen stellen aufgrund der Vielzahl an beteiligten Personen und Gewerke sowie des Zeitfaktors – die Überwachung der fachgerechten Ausführung kann aufgrund der laufenden Bautätigkeiten oft nur im Moment der Ausführung erfolgen – eine besondere Herausforderung an die brandschutztechnische Baubegleitung dar.

Bis zur Einreichungsphase bzw. um die Bewilligung des Projekts zu erlangen, sind zu planende Brandschutzmaßnahmen großteils in ausreichender Form gesetzlich vorgeschrieben und werden seitens der Behörde auch geprüft. Erfahrungsgemäß wird jedoch nur bei einem geringen Teil der Bauprojekte die Umsetzung der geplanten Maßnahmen während der Ausführungsphase geprüft. Oft unterscheidet sich die Qualität der Brandschutzplanung daher erheblich von der Qualität der tatsächlich ausgeführten Brandschutzmaßnahmen. Brandschutztechnische Planungs- und Ausführungsfehler können enorme Kosten und Rechtsstreitigkeiten verursachen und im schlimmsten Fall sogar konkrete Gefahrenquellen für Personen darstellen. Daraus resultierende Schäden sind daher mit einem hohen Haftungsrisiko verbunden. Um Haftungsrisiken dementsprechend einzuschränken, ist eine klare vertragliche Vereinbarung hinsichtlich der Verantwortung und des Leistungsumfangs zu treffen.

Durchdachte Systematik
Um den komplexen Anforderungen bei Bauprojekten gerecht werden zu können, bedarf es einer durchdachten Systematik im Sinne eines Managementsystems. Managementsysteme zeichnen sich generell durch bestimmte Grundsätze, eine definierte Art der Dokumentation sowie durch eine systematische inhaltliche Gliederung aus. Wesentliche gemeinsame Merkmale gängiger Qualitäts- bzw. Projektmanagementsysteme sind der prozessorientierte Ansatz sowie der Grundsatz der kontinuierlichen Verbesserung. Die Dokumentation erfolgt in Form eines Qualitäts- bzw. Projektmanagementhandbuchs sowie untergeordneter Dokumente wie Prozessbeschreibungen, Checklisten etc.

Pool an Managementmethoden
Es steht ein umfangreicher Pool an Managementmethoden zur Verfügung, auf den im Zuge der Bearbeitung von Projekten jederzeit zurückgegriffen werden kann. Die Anwendbarkeit der einzelnen Methoden ist abhängig von der Komplexität des Projekts und der jeweiligen Projektphase. Eine Vielzahl der Methoden ist entweder der Planung oder der Überwachung und Steuerung zuzuordnen. Diese Zuordenbarkeit macht deutlich, dass Planung und Controlling die Kernelemente des Projekt- und Qualitätsmanagements sind und gerade diese unterstützender Managementmethoden bedürfen.

Bei der Anwendung des Managementsystems sind vor allem folgende Aspekte zu beachten:

  • Definition einer klaren Strategie in Form einer Vision und konkreter Projektziele
  • Eine möglichst frühzeitige Einbindung in das jeweilige Bauprojekt
  • Klare Leistungs- und Schnittstellendefinition vor Leistungsbeginn
  • Klare Definition in Form eines Prüfplans
  • Einplanung ausreichender Zeit für Planung und Controlling
  • Anwendung geeigneter Managementmethoden
  • Ausreichend Zeit für die Dokumentation
  • Kontinuierliche Verbesserung der Prozesse auf Basis von Erkenntnissen und Fehlern
  • Laufende Weiterbildung

Handlungsbedarf
Im Zuge der Entwicklung des Managementsystems wurde die Vision formuliert, professionelle brandschutztechnische Baubegleitung als wesentlichen Bestandteil des Baumanagements zu etablieren und bei Kunden das Bewusstsein zu schaffen, dass nur durch gewissenhafte Planung und gezielte und systematische baubegleitende Kontrolle brandschutztechnischer Maßnahmen Ausführungsmängel und in der Folge teils verheerende Brandschäden vermieden werden können.

Betrachtet man diese ambitionierte Vision, die nach Auffassung der Autorin hinter den Leistungen der brandschutztechnischen Baubegleitung stehen sollte, so leitet sich daraus folgender Handlungs- bzw. Forschungsbedarf für die Zukunft ab:

  • Entwicklung und Anwendung von Maßnahmen der Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung auf den Brandschutz
  • Entwicklung und Anwendung von Maßnahmen zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit im Brandschutz
  • Ausarbeitung von Argumenten für eine professionelle brandschutztechnische Baubegleitung
  • Gegenüberstellung der geplanten Qualität von Brandschutzmaßnahmen und der jeweils ausgeführten Qualität anhand einer empirischen Auswertung von Praxisbeispielen. Zwischen geplanter und ausgeführter Qualität besteht oft ein wesentlicher Unterschied und daher wird in Bezug auf Brandschutz teilweise eine falsche Sicherheit
    vorgetäuscht.
  • Gegebenenfalls Zertifizierung des Managementsystems nach ISO 9001 als Nachweis der Professionalität der Leistungsabwicklung gegenüber den Kunden
  • Definition von Standard-Prüfplänen für gängige Einbausituationen mit dementsprechend festgelegtem Prüfumfang, die als „gängige Praxis“ bzw. „Übung des redlichen Verkehrs“ herangezogen werden können, um in dieser Hinsicht Rechtssicherheit zu erlangen. Eine solche Definition von Standard-Prüfplänen wäre zum Beispiel im Rahmen der Gestaltung einer dementsprechenden TRVB denkbar.

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