Ambitionierte Ziele
„Als Antwort des wohnfonds_wien auf die von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig initiierte Wiener Wohnbauoffensive wurde Anfang April 2016 ein Zweijahresprogramm gestartet, mit dem rund 11.000 Wohnungen aus Bauträgerwettbewerben hervorgehen sollen“, heißt es in einem – schon historisch zu nennenden – Artikel auf der Website des wohnfonds_wien. Nun, der damalige Wohnbaustadtrat ist inzwischen Bürgermeister, und die Wohnbauoffensive erlebt mittlerweile ihre – bislang – „zweite Welle“: Der Wohnbauoffensive 2016–2018 folgte die Wohnbauoffensive 2018–2020 … und ein Ende ist nicht abzusehen.
Auch die aktuelle Zahl der im Zuge von Bauträgerwettbewerben zu errichtenden Wohnungen hat sich erhöht: 17 Wettbewerbe für voraussichtlich 66 Bauplätze mit rund 13.800 Wohneinheiten sind das ambitionierte Ziel des aktuellen Programms. Was hat sich bei diesem – wesentlich – geändert? Die Stadt Wien erklärt dazu: „Vom Bauträgerwettbewerb bis zur Wohnungsübergabe vergehen künftig im Regelfall maximal 32 Monate. Das entspricht einer Verkürzung um vier Monate.“ Neben einer Verkürzung der Wettbewerbe selbst um zwei Monate entfällt nunmehr der Wohnbauförderungsbeirat, was einen Monat Zeitgewinn bringt, der weitere gewonnene Monat erklärt sich aus der Beschleunigung der Widmungsverfahren. Abgesehen von der – zweifellos – „gewonnenen Zeit“ gibt es freilich auch Kritik an der Idee der Wohnbauoffensiven.
Fairer Wettbewerb?
Doch zuvor noch zurück zu In der Wiesen Ost. Östlich der U-Bahn-Linie U6 entsteht hier eine Siedlung, die die Idee des Urban Farmings mit dem geförderten Wohnbau kombiniert. „Das Projekt greift die Traditionen des Wiener Gemeindebaus der 1920er-Jahre auf und verschmilzt sie mit den sozialökologischen Notwendigkeiten der Gegenwart“, heißt es dazu vonseiten der Stadt Wien. Und weiter: „Gärtnern in der Stadt“ sei eine „substanzielle Antwort“ auf die „Kernfrage: Wie wächst Stadt?“. Die Antwort: „Wachsen bedeutet gleichzeitig, hochwertige Freiräume zu entwickeln.“ Kritiker der Wohnbauoffensiven sehen das naturgemäß anders, immer wieder fällt in diesem Zusammenhang das Wort von der „Zersiedelung“, aber auch von der „Wettbewerbsverzerrung“.
Von den ca. 13.800 neuen Wohneinheiten, von denen vorhin die Rede war, sind tatsächlich ca. 9000 dem geförderten Bereich zuzuordnen. Welchen Einfluss das auf die Ausgewogenheit unter den Bauträgern hat? Der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) kritisierte zuletzt etwa in Hinsicht auf die Novelle des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes: „Keine Rede ist von einer Senkung der Baukostenzuschüsse, die viele Mieter im gemeinnützigen Bereich vor eine unüberwindbare Hürde stellen.“ Und weiter: „Auch Maßnahmen für die soziale Treffsicherheit bei gemeinnützigen und kommunalen Wohnungen müssten dringend gesetzt werden.“ So könnten ausfinanzierte Sozialwohnungen „völlig frei“ vergeben werden, moniert der ÖVI, „und kommen oft nicht bei jenen an, die ihre Förderungswürdigkeit nachweisen können.“ Nicht zu reden von den Beschwerden der privaten Bauträger, die sich – die Stadt drückt ihrer Ansicht nach die Preise – in eine enorme Kostenschraube gepresst sehen. Wie auch immer man zu dieser Kritik stehen mag, Tatsache ist: Wien braucht Wohnungen – wenn sie dann noch so klingende Namen wie In den Wiesen tragen: umso wunder- oder eben klangvoller.
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